Gewalt gegen Polizeibeamte

Bis in die späten 1980er Jahre galt der Terrorismus als die größte Bedrohung für Polizisten im Dienst. In den letzten zwanzig Jahren hat Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte jedoch komplett neue Formen angenommen. Alltägliche Situationen im Dienst können sich von einem Moment zum nächsten zur tödlichen Bedrohung entwickeln. Allein aus dem vorhandenen Material über die Zahl der im Dienst getöteten Polizisten lässt sich jedoch weder etwas über die Motive der Täter noch über die tatsächliche Bedrohung herauslesen. Diese erkennt man eher, wenn man die Häufigkeit von Angriffen gegen Polizisten, die in Tötungsabsicht verübt werden, betrachtet. Allein auf Grund der professionellen Fähigkeiten der Beamten zur Selbstverteidigung gehen diese Angriffe in den seltensten Fällen wirklich tödlich aus. So wurden die meisten Polizisten im Jahr 2000 getötet, nämlich 8. Dem gegenüber wurden im selben Jahr 35 Angriffe mit Tötungsabsicht ausgeübt. Den Höhepunkt erreichte die Häufigkeit von tödlichen Angriffen gegen Polizisten im Jahr1994. Seither sind die Zahlen wieder rückläufig.

Die hohe Anzahl getöteter Polizisten im Jahr 2014 veranlasste eine Studie zum Thema durch das Kriminologische Institut Niedersachsen, finanziert von der Gewerkschaft der Polizei und der Innenministerkonferenz. Ausgewertet wurden dazu Angriffe gegen Polizisten, die zwischen den Jahren 1985 und 2000 stattgefunden hatten. Zudem wurde Aktenmaterial herangezogen und Hinterbliebene befragt. Man kam zu dem Ergebnis, dass sich die meisten Fälle tödlicher Angriffe gegen Polizisten aus Routinesituationen heraus entwickeln. Aus dem Ergebnis lässt sich auch herauslesen, dass offensichtlich ein Konflikt zwischen Eigensicherung der Beamten und dem von ihnen erwarteten Verhaltensweisen besteht. Insbesondere empfinden Beamte die Regelungen zum Gebrauch von Schusswaffen als zu strikt. Auch könnten psychologisches Urteilsvermögen und der Umgang mit Konfliktsituationen verstärkt geschult werden. Zu wenig Fürsorge beklagen auch die Hinterbliebenen getöteter Polizisten.

Video: Gewalt gegen Polizisten

Weiter ergab die Studie, dass Angriffe meist auf die Besetzung von Streifenwagen stattfanden, die sich auf öffentlichen Plätzen oder in Wohngebieten aufhielten. Die Angreifer waren fast ausschließlich Männer und häufig alkoholisiert. Meist gab es keine vorherigen Kontakte zu den Opfern, wenngleich etwa 50 % der Angreifer bereits polizeibekannt waren. Ebenfalls die Hälfte der Angreifer war bewaffnet. In den allermeisten Fällen war es die die routinemäßige Überprüfung der Identität, das Ansprechen der Person oder das Anhalten Flüchtender, die den tödlichen Angriff auslösten. Unabhängig vom Anlass waren vereinzelte Polizisten erheblich stärker gefährdet als Teams.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert auf Grund dieser Ergebnisse eine bessere Ausstattung der Beamten, etwa was Schutzwesten, Dienstfahrzeuge und Munition angeht, sowie Verbesserungen in der psychologischen Schulung von Polizisten. Auch soll die Öffentlichkeit mehr über die Risiken des Polizeiberufs informiert und damit Verständnis für Eigensicherungsmaßnahmen der Beamten im Dienst geweckt werden.

Siehe auch: Verletztenstand in der Bundespolizei